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Interview: Stifterbiografien und Vermögensgeschichten

Beitrag im Magazin Stiftung & Sponsoring, April 2021 (Ausgabe 02.21)

Datum

06/2021

 

April 2021

Interview mit Ingmar Ahl (Vorstand Zweckerfüllung der Karg-Stiftung) und Ansgar Wimmer (Vorstandsvorsitzender der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.) im Magazin Stiftung & Sponsoring

 

„Stiftungsvergangenheiten, die nicht vergehen - Stifterbiografien und Vermögensgeschichten“



Auszug aus Stiftung & Sponsoring:

„Stiftungen werden in jüngster Zeit mit den Biografien ihrer Stifterinnen und Stifter und dem Herkommen ihrer Vermögen konfrontiert. Viele Stiftungen gehen dem nach und lassen professionell ihre und ihrer Vermögen Herkunft erforschen – so auch die Karg-Stiftung. Ihr Gründer Hans-Georg Karg (1921-2003) war Eigentümer des Hertie-Warenhauskonzerns, der sich bis 1934 im Besitz der jüdischen Kaufmannsfamilie Hermann Tietz befunden hatte. Auch die Alfred Töpfer Stiftung F.V.S. fragte nach der Biografie ihres Stifters im Dritten Reich...

Stiftung & Sponsoring: Herr Ahl, warum fällt es gerade Stiftungen offensichtlich so schwer, sich auch kritischen Fragen zu ihren Stifterinnen und Stiftern und eigenen Vorgeschichten zu stellen?
Ahl: Stiftungen gehören qua Selbstverständnis und öffentlicher Wahrnehmung zu den Guten! Stifterisches Engagement für das Gemeinwohl setzt aber nicht den guten Menschen voraus. Denn auch Stifterinnen und Stifter sind Menschen, machen Fehler, waren eben nicht schon immer Stifterinnen und Stifter. Viele Stiftungsgründungen resultieren zudem explizit oder implizit aus dem schlechten Gewissen über Vorgeschichten in eigener Biografie und Herkunft des Stiftungsvermögens. Wir sollten als Nachgeborene und Sachwalter des Stifterwillens daher unsere Stifterpersönlichkeiten nicht überhöhen, sie aber auch in ihrem Anliegen, letztlich Gutes zu tun, zur Kenntnis nehmen. Neben bedingungsloser Offenheit kann man allen Stiftungen nur raten: mit individuellen Stiftergeschichten und selbstgemachten Erklärungen ist die Deutungshoheit über die deutsche Geschichte nicht zu gewinnen.

Stiftung & Sponsoring: Herr Ahl, was hat die Karg-Stiftung bewogen, die Geschichte ihres Vermögens unter die Lupe zu nehmen?
Ahl: Unser Stifter Hans-Georg Karg war Eigentümer des Hertie-Warenhauskonzerns. Er identifizierte sich mit Hertie; auch wenn die Karg-Stiftung lediglich Erbin seines und seiner Ehefrau Adelheid Privatvermögens ist. Jedoch ist Hertie natürlich Teil unserer Geschichte. Man kann, wie Jean Amery als Überlebender des Holocaust sagte, aber nicht aus der Geschichte seines Volkes im Dritten Reich austreten. Hans-Georg Karg konnte das nicht und wir als Karg-Stiftung können das heute erst recht nicht.

Es geht übrigens nicht nur um 1933-1945. Die Geschichte von Hertie ist nicht nur die Vorgeschichte einer Arisierung – auch die Unternehmerfamilie Tietz verdient eine angemessene Würdigung und gehört zu unserer Geschichte. Und schließlich geht es nach 1945 aus bescheidenen Anfängen in Westdeutschland weiter. Hertie wächst zu einem der größten Warenhauskonzerne Europas. Nicht zuletzt interessiert, wie die handelnden Personen mit der Geschichte ihres Unternehmens im Dritten Reich nach 1945 umgegangen sind. Diese Nachgeschichte gilt es ebenso zu erforschen wie die Arisierung im Dritten Reich und die Restitution nach 1945.

Als Karg-Stiftung können wir nicht länger zum Komplex Hertie im Dritten Reich schweigen, auf andere verweisen bzw. nicht maximal Wissen hierzu befördern. Hertie insgesamt es identitätsstiftend für uns. Wenn wir die Arisierung aber weiter ausblenden, können wir übrigens auch über die ganze weitere Kraft dieses unternehmerischen Erbes nicht mehr sprechen. Die Begründung der Karg-Stiftung mit dem Thema hochbegabte Kinder und Jugendliche war letztlich auch eine unternehmerische Tat. Und ohne Hertie wäre da nichts zum Stiften vorhanden gewesen.

Stiftung & Sponsoring: Was genau planen Sie, Herr Ahl, bei diesem Projekt?  
Ahl: Die Planungen zu einer wissenschaftlichen „Geschichte des Hertie-Warenhauskonzerns 1882-1993“ reichen bis in das Jahr 2018 zurück. Es ist uns wichtig, diesem Projekt vollständige wissenschaftliche Unabhängigkeit in Fragestellung und Durchführung zu gewähren, weshalb wir es als Förderprojekt, nicht als Forschungsauftrag durchführen. Letztlich weiß auch Prof. Werner Plumpe, der angesichts der Bedeutung von Hertie für die deutsche Wirtschafts- und Konsumgeschichte für die Bearbeitung der gesamten Geschichte eintrat. Seit Anfang 2020 läuft nun eine Vorstudie zur Klärung des Quellenkorpus; im April 2021 starten die Forschungsarbeiten, 2025 sollen die Ergebnisse in einem Sachbuchverlag publiziert werden. Tagungen werden bis dahin Einblicke bieten und Ergebnisse zur Diskussion mit internationaler Forschung stellen. 

Stiftung & Sponsoring: Die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. (GUG) hat bereits 2000 und 2008 Vorstudien zur Herkunft des Hertie-Vermögens durchgeführt. Seinerzeit kam sie zu dem Ergebnis, angesichts der dürftigen Quellenlage seien keine Erkenntnisse zu erwarten. Herr Ahl, ist die Ausgangslage heute günstiger?  
Ahl: Den damaligen Gutachten lagen andere...

 

→ lesen Sie Hier den ganzen Artikel:  

Stiftung & Sponsoring, April 2021: „Stiftungsvergangenheiten, die nicht vergehen - Stifterbiografien und Vermögensgeschichten“

 

→ Hier geht´s zur Pressemitteilung der Karg-Stiftung vom 2. Dezember 2020:

Hertie-Warenhauskonzern: Erforschung der Geschichte 1882-1993

 

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