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Kerstin Schmidt

Leiterin Familienzentrum

Datum

2019

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„Vom Löwenzahn zur Pusteblume...“

Interview mit Kerstin Schmidt 

Leiterin des CJD Familienzentrums für inklusive Begabungsförderung, Hannover (07:33)

Das Interview führte Sabine Wedemeyer, Ressortleitung Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Karg-Stiftung.

  • Was ist für Sie Hochbegabung? (00:45)
  • Was braucht gute Begabtenförderung? (02:23)
  • Was verbindet Sie mit der Karg-Stiftung? (04:24)
  • Was ist Ihr Symbol für Hochbegabung? (05:57)

 

Guten Tag, mein Name ist Kerstin Schmidt. Ich bin die Leiterin des CJD Familienzentrums für inklusive Begabungsförderung in Hannover. In meiner Einrichtung sind 123 Kinder in vier Gruppen, einer Hortgruppe und zwei Krippengruppen. Dann gibt es noch die Kinderakademie "Fantasticus" hier in der Einrichtung, die Enrichment-Angebote für begabte, hochbegabte Kinder schafft, aber auch für Kinder aus dem Stadtteil - und eine begabungspsychologische Beratungsstelle. Hier werden externe und interne Kinder getestet.

 

Was ist für Sie Hochbegabung? (00:45)

Mit Hochbegabung verbinde ich die Arbeit in 15 Jahren mit weit überdurchschnittlich intelligenten Kindern. Ich verbinde mit Hochbegabung Begeisterung, Faszination, überraschende Momente. Ich verbinde mit Hochbegabung ein Mädchen, das mit vier Jahren über Kopf lesen konnte. Ich verbinde mit Hochbegabung einen Jungen, einen fünfjährigen, der mir sehr detailliert erklärte, warum er denn heute nicht mehr nach Hause gehen wollte. Ich verbinde Spaß und Freude, viele Momente des Philosophierens über Leben und Tod beim Mittagessen oder in Spielsituationen.

Ich verbinde aber auch Leid und Überforderung von Familien, die mir gerade bei Aufnahmegesprächen entgegen gekommen sind, wenn denn die Kinder bereits vielleicht einen Leidensweg hinter sich hatten, aus einer anderen Einrichtung zu uns gekommen sind, dann sind oftmals Tränen geflossen. Und ich durfte dann auch ganz viel Dankbarkeit erleben von den Familien, dass sie hier einfach so sein können, wie sie sind, und dass sie für ihre Hochbegabung eben nicht belächelt werden oder dass das Anderssein auch ein Stückchen Normalität hier ist.


Was braucht gute Begabtenförderung? (02:23)

Gute Begabtenförderung braucht für mich in erster Linie eine offene Haltung, neugierige, wissbegierige motivierte Fachkräfte, die sich mit einer dialogischen Grundhaltung auf die Ebene der Kinder begeben, gemeinsam Lösungswege suchen - die Erwachsenen und Kinder sind im Lernen Partner, ist da das Schlagwort. Dann aber auch eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit. Wir sind sehr froh, dass wir eine Psychologin bei uns in der Einrichtung haben, die zu uns in die Dienstbesprechungen kommt, die die Eltern berät, die alle Kinder hier im Haus testet, um dann zu gucken, wo sind die Potenziale der Kinder, um sie individuell zu fördern. Ja, das braucht für mich gute Begabtenförderung.

Und - gute Begabtenförderung lässt sich sehr gut mit dem "Early Excellence" Ansatz verbinden. Wir sind ja Familienzentrum und arbeiten nach dem "Early Excellence" Ansatz. Da ist es so, jedes Kind ist „excellent“. Wir haben in unserer Konzeption stehen, wir erleben Begabung als Geschenk, dann aber auch, die Eltern sind die Experten. Das bedeutet natürlich erziehungspartnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Familien. Ohne das System Familie geht es nicht. Dann öffnet sich die Einrichtung für den Stadtteil. Da natürlich zu gucken, wie sind die Ressourcen, wie können wir die Ressourcen nutzen für die Familien, für die Kinder, wie kann man gute Übergänge gestalten. Dann natürlich Grundprinzip Wertschätzung, dass die Kinder akzeptiert werden so, wie sie sind.


Was verbindet Sie mit der Karg-Stiftung? (04:24)

Mit der Karg-Stiftung verbindet mich sehr viel. Denn der Karg-Stiftung haben wir unsere Existenz zu verdanken. Dieses Haus hier wurde 1995 als erste Modelleinrichtung im Bereich Frühe Bildung, im Bereich Hochbegabtenförderung in Deutschland gegründet. Und die Idee, hochbegabte Kinder gemeinsam mit Kindern aus dem Stadtteil zu fördern (damals hieß es "sozial integrativ", heute "inklusiv" - diese Einrichtung wurde damals eben nicht im Zooviertel in Hannover gebaut, sondern hier in Mittelfeld, in einem Brennpunkt von Hannover, um eben diese sozial integrative, also diese inklusive Förderung herzustellen) - das ist eine Idee, die haben Hans-Georg Karg und seine Frau Adelheid unterstützt. Und deshalb hängt auch zurecht ihr Bild bei uns im Flur, um uns daran zu erinnern, dass wir dem Ehepaar unser schönes Haus zu verdanken haben.

Und ich verbinde natürlich auch Mut mit der Karg-Stiftung, gerade mit dem Stifter-Ehepaar, denn die beiden haben sich für eine Minderheit engagiert, für Hochbegabung, die ja auch heute noch in der Gesellschaft so bisschen belächelt wird, und da haben die beiden gesagt, so, hier, das unterstützen wir, da investieren wir - und von daher verbinde ich Mut und Dankbarkeit mit der Karg-Stiftung.


Was ist Ihr Symbol für Hochbegabung? (05:57)

Mein Symbol für Hochbegabung ist die Pusteblume. Sie steht für mich für Entwicklung - vom Löwenzahn zur Pusteblume. Wenn die Kinder zu uns kommen, dann wissen wir manchmal noch nicht, was steckt in ihnen. Hier zu gucken, was sind die Stärken der Kinder, wo sind die Potenziale, wie können sie sich am besten entfalten? Dann, das Symbol der Freiheit: Die Samen fliegen in die Welt hinaus. Man weiß noch nicht genau, wo sie landen werden, wohin ihr Weg sie führen wird. Und da natürlich – wir begleiten die Kinder auf ihrem Weg. Sie bestimmen den Weg; selbstbestimmt zu gucken, wo geht ihr Weg hin.

Dann, was macht sie glücklich? Und dieses "Was macht sie glücklich?", da symbolisiert die Pusteblume für mich Leichtigkeit. Das sollte oberste Prämisse sein zu sagen, "Was macht die Kinder glücklich?" - das Glück der Kinder, natürlich oberstes Anliegen. Und dann natürlich, die Samen verbreiten sich, und da ist es mir als Leiterin einer Konsultationskindertagesstätte für den Bereich inklusive Begabungsförderung hier in Niedersachsen ein Herzensanliegen, dass sich das Wissen um eine gute Hochbegabtenförderung verbreitet.

 

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Aktivitäten

  • Karg Aktivitäten

    Mit unseren Angeboten zur verbesserten Information und Qualifizierung von Kita, Schule und Beratungsstellen bringen wir das Bildungssystem in der Begabtenförderung voran: Karg Campus, Karg Impulskreise, Karg Partner Projekte, Karg Fachmedien.

  • Karg Fachmedien

    Unsere Publikationen bieten Grundlagen- und Professionswissen zum Thema Hochbegabung und orientieren in der Begabtenförderung.

  • Karg Campus

    Unser Qualifizierungskonzept ermöglicht Kitas, Schulen und Beratungsstellen die Entwicklung in der Begabtenförderung. Die Karg Campus Projekte schaffen in den Bundesländern nachhaltige Angebote und Strukturen zur Förderung Hochbegabter.

  • Karg Impulskreise

    Unsere interaktive Fortbildungsmethode orientiert pädagogische und psychologische Fachkräfte im Finden und Fördern Hochbegabter. Wir bilden Moderatorinnen und Moderatoren aus, die in den landeseigenen Fortbildungssystemen vieler Bundesländer Grundlagenwissen der Begabtenförderung vermitteln.

  • Karg Partner

    In Modellprojekten finden wir mit unseren Partnern in Bildungspraxis und -wissenschaft Antworten auf Zukunftsfragen in der Begabtenförderung.

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